Gemeinden im Rafzerfeld verzichten auf Gegenvorschlag zum Kunstrasenprojekt

Tagesanzeiger
 

 

In Kürze:
  • Der FC Rafzerfeld beantragt für Kunstrasenplätze und mehr Garderoben 6,3 Millionen Franken.
  • Die beteiligten Gemeinden verweigern einen Gegenvorschlag.
  • Die Behörden kritisieren die hohen Kosten und die ungeklärte langfristige Finanzierung.
  • Im Sommer stimmen fünf Gemeinden über die Beteiligung von 4,7 Millionen Franken ab.

Ein Projekt der Superlative sorgt in den Gemeinden Eglisau, Hüntwangen, Rafz, Wasterkingen und Wil für Diskussionen. Der FC Rafzerfeld will für 6,3 Millionen Franken neue Kunstrasenplätze sowie einen Neubau mit Garderoben und Duschen bauen. Die fünf Gemeinden sollen sich mit 4,7 Millionen Franken beteiligen. Im Sommer wird in allen fünf Gemeinden darüber abgestimmt.

Bis vor kurzem war noch die Rede davon, dass die beteiligten Dörfer einen gemeinsamen Gegenvorschlag präsentieren könnten. Nun ist klar: Daraus wird nichts. Die Behörden haben den Verein Ende Januar über den Entscheid informiert.

Verein hätte sich Gegenvorschlag gewünscht

Beim FC Rafzerfeld bedauert man dies. «Wir sind enttäuscht und ehrlich gesagt auch ratlos. Nach dem enormen Aufwand der letzten zwei Jahre und zahlreichen Gesprächen stehen wir letztlich ohne ein gemeinsames Ergebnis da», sagt Projektleiter Daniel Morf.

Man könne nicht nachvollziehen, weshalb in keiner Phase des Projekts ein aktives «Handbieten» oder eine eigene Initiative der Gemeinden erfolgt sei. «Ein Gegenvorschlag wäre für uns nicht nur ein politisches Instrument gewesen, sondern ein klares Signal, dass die Gemeinden gemeinsam mit uns Verantwortung für die Jugend und die Sportinfrastruktur im Rafzerfeld übernehmen wollen.»

Morf räumt ein, man habe Verständnis dafür, dass Gemeinden zahlreiche parallele Aufgaben bewältigen müssten. «Aber das Projekt wurde über mehrere Jahre angekündigt, entwickelt und transparent vorgestellt.» Man könne nicht nachvollziehen, weshalb trotz anerkannten Bedarfs und konstruktiver Gespräche kein aktiver Schritt in Richtung gemeinsamer Ausarbeitung erfolgt sei. Nach wie vor sei man beim Verein der Meinung, dass auch heute aufgrund des bestehenden, vollständig ausgearbeiteten Projekts jederzeit ein funktionsfähiger Gegenvorschlag möglich wäre.

Gemäss Morf wurden bereits Anfang 2024 erste formelle Gespräche mit den Gemeinden geführt, nachdem das Projekt informell schon 2023 thematisiert worden war. 2024 und 2025 sei man regelmässig mit den Dörfern im Austausch gewesen. Als dieser aber 2025 immer weniger verbindlich geworden sei, sei dem Verein letztlich nur die Option geblieben, via Einzelinitiativen am Projekt festzuhalten.

Nun seien die Gespräche Ende Januar faktisch beendet worden, nachdem die Gemeinden eine koordinierte E-Mail an die Initianten verschickt hatten. Darin sei man auch informiert worden, dass vorerst keine weiteren Gespräche mehr geführt würden. «Dieser Entscheid kam für uns überraschend», so Morf. Man hoffe sehr, dass nach den Abstimmungen, unabhängig vom Ausgang, wieder ein konstruktiver Dialog aufgenommen werden könne.

Man sei sich bewusst, dass es sich aufgrund der Kosten von 6,3 Millionen Franken um ein grosses Projekt handle, sagt Morf. «Man muss aber den Kontext berücksichtigen. Im Kanton Zürich werden Fussball-Sportanlagen fast ausnahmslos von den Gemeinden getragen oder zumindest massgeblich unterstützt. Der Sportplatz Hüntwangen bildet hier die Ausnahme. Der FC Rafzerfeld trägt seit dem Bau des Sportplatzes im Jahr 1994 den laufenden Betrieb und sämtliche Investitionen weitgehend selbst.»

Ausserdem würde der Verein 1,6 Millionen Franken selbst finanzieren, über Eigenmittel, Sponsoring und die kantonale Sportförderung.

Für die Dörfer sind die Kosten viel zu hoch

Weshalb weigerten sich die Gemeinden, mit einem eigenem Vorschlag auf das Projekt zu reagieren? Manfred Hohl, Gemeindeschreiber von Rafz, nimmt Stellung.

Der Verein habe den Behörden das Projekt erstmals 2024 vorgestellt, seitdem sei man in Kontakt. «Von den Gesamtkosten war das Projekt damals etwa gleich wie heute, die geforderten Kostenbeteiligungen der Gemeinden sind aber nach und nach gestiegen», sagt Hohl. «Nach dieser Vorstellung haben die Gemeinden den FC Rafzerfeld darüber informiert, welche Herausforderungen man aus Behördensicht sieht.»

Primär: Das Projekt sei viel zu teuer. «In dieser Höhe können die Gemeinden die Kosten nicht stemmen», sagt Hohl. Zudem sei nicht klar, wie sich die Infrastruktur künftig finanzieren lasse. «Wer übernimmt die Unterhaltskosten oder die Sanierungen, nach zehn Jahren, nach zwanzig Jahren? Müssten dann die Gemeinden erneut dafür zahlen?» Man habe dem Verein mitgeteilt, dass diesbezüglich eine Perspektive nötig sei. «Wenn insgesamt 6,3 Millionen Franken investiert werden, dann sind nach einer gewissen Zeit erhebliche Ersatzinvestitionen notwendig. Das ist eine betriebswirtschaftliche Tatsache.»

Ein weiterer Punkt sei gewesen, dass nicht klar geworden sei, inwiefern beim Projekt andere vom Verein genutzte Infrastruktur miteinbezogen werde. «Es ist klar, dass der FC Rafzerfeld auch weiterhin auf die Trainingsplätze zum Beispiel in Rafz angewiesen sein wird.» Ein Konzept für die künftige Infrastruktur hätte die heutigen Beiträge der Gemeinde einkalkulieren müssen. «Gerade Rafz stellt bereits viel Infrastruktur für den FC Rafzerfeld bereit und finanziert diese auch mehrheitlich allein.»

Die Gemeinden hätten auch darauf hingewiesen, man solle abklären, ob es zum Beispiel besser sei, einen Kunstrasen in Rafz zu verlegen, wo bereits Gebäude und Infrastruktur für den Trainingsbetrieb vorhanden sind. Und schliesslich habe man eine Etappierung vorgeschlagen, damit sich die allenfalls hohen Kosten besser auf mehrere Jahre verteilen liessen.

Gemeinden schlugen Projekt mit externer Leitung vor

Der Verein habe angekündigt, diese Vorschläge zu überprüfen. «Im Frühling 2025 teilte man dann mit, man habe alles abgeklärt – und die Vorschläge liessen sich so nicht umsetzen.» Die Gemeinden hätten daraufhin erneut klargemacht, dass sie das Projekt in dieser Dimension für schwierig erachteten. Danach habe man erst wieder etwas gehört, als die Einzelinitiativen eingereicht worden seien.

Manfred Hohl betont, dass dies natürlich ein legitimes Mittel sei, um die Bevölkerung über das Projekt entscheiden zu lassen. «Es ist aber wichtig, auch festzuhalten, dass wir uns einer Zusammenarbeit nicht verweigert haben. Die Gemeinden haben dem Verein angeboten, ein gemeinsames Projekt unter externer Projektleitung zu lancieren.» Dies unter der Bedingung, dass die Einzelinitiativen zurückgezogen werden, damit nicht zweigleisig gefahren wird und doppelt Kosten für die Ausarbeitung anfallen. «So hätten wir schliesslich einen Vorschlag für ein Projekt präsentieren können, für welches die Gemeindebehörden auch Chancen bei einer Abstimmung sehen.»

Zeit hat nicht gereicht für einen Gegenvorschlag

Aber warum haben die Gemeinden nicht selbstständig einen Gegenvorschlag ausgearbeitet? «Dafür war die Zeit schlicht zu knapp», sagt Hohl. Die Einzelinitiativen wurden im Herbst 2025 eingereicht. «Die Anträge für die Gemeindeversammlungen müssen spätestens Mitte April 2026 verabschiedet werden», so Hohl. «Es war unmöglich, in dieser Frist ein antragsfähiges Projekt auszuarbeiten. Denn die Gemeinden würden etwa auch den Vorschlag prüfen wollen, eine Trägerschaft bestehend aus allen beteiligten Dörfern zu bilden. So, wie dies etwa beim Freibad Rafzerfeld der Fall ist.»

Ferner weist Hohl darauf hin, dass dieses Jahr im Frühling Erneuerungswahlen stattfinden. «Es wäre nicht zumutbar, wenn die Gemeinderäte in neuer Konstellation bereits ein so grosses Projekt in Angriff nehmen müssten.» Sie würden zuerst mit der Einarbeitung in die laufenden Geschäfte beschäftigt sein.

Angebot zur Zusammenarbeit bleibt bestehen

Es sei also nicht so, dass man keine Zusammenarbeit gewünscht habe. «Und wir bieten auch weiterhin Hand für die Ausarbeitung eines gemeinsamen Projekts, falls die Einzelinitiativen abgelehnt würden.» Falls sie angenommen werden, sei dieser demokratische Entscheid des Souveräns zu akzeptieren, mit allen finanziellen Konsequenzen, die das nach sich ziehe.

Eine offizielle Empfehlung zur Annahme oder Ablehnung des Vorstosses des FC Rafzerfeld haben die Gemeinden noch nicht abgegeben. «Ich gehe aber davon aus, dass die Behörden aufgrund der genannten Gründe eher ein Nein empfehlen werden», sagt Hohl.

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